Kampfsport. Vorzüge gegenüber dem klassischem Fitness-Studio

Es gibt sie in jedem Fitness Studio. Gutaussehende, sehr schön definierte Körper. Das ganze wird auf die Spitze getrieben bis hin zum Bodybuilding. Fitness Studios bieten einem ja auch sehr viele Vorteile: Oft gibt es recht anständige Coaches, neue Geräte und individuelle Trainingspläne, die man in einem regelmäßigen Rhythmus verändern kann - in Absprache mit seinem Coach natürlich. Dazu kommt z.B. ein Saunabereich, super Duschen und Umkleiden. Zumindest habe ich das Glück in so einem Fitness Studio zu sein.

Der Nachteil: man trainiert in der Regel sehr statisch. Selbst wenn man nicht an Geräten trainiert sondern frei z.B. mit Hanteln, so sind es immer klare und geplante Bewegungen, die ausgeführt werden. Daran ist erstmal nichts verkehrt. Man ist sportlich aktiv, hat durch das Training weniger Körperfett, ist fitter, eventuell sogar selbstbewusster, hat ein geringeres Risiko von Zivilisationskrankheiten und sieht gut aus.

Nun kommt es aber darauf an was man will. Ihr habt es in der Hand und könnt euren Körper so formen wie ihr ihn wollt. Geht es euch im Optik, Stärke oder funktionale Muskelmasse? Euer Körper passt sich sogar recht schnell an euer Training, wobei Ihr das wahrscheinlich schon selbst oft genug erlebt habt! Wichtig ist nur, dass ihr ihn passend zu euren Zielen fordert.

Was ist an Kampfsport anders?

Anders am Kampfsport ist in erster Linie die Agilität. Man hat hier sehr komplexe und unterschiedliche Bewegungsabläufe, welche der Körper und die Muskulatur vor allem am Anfang nicht gewohnt sind. Egal wieviel Jahre du im Fitness Studio verbracht hast, ich verspreche dir nach spätestens 1 bis 2 Stunden liegst du im ersten Kampfsporttraining am Boden - und keuchst vor Anstrengung.

Um sich das genauer vorstellen zu können erkläre ich es am Beispiel eines Kickboxers: Die Arme des Boxers sind angewinkelt und unter leichter Spannung. Die Beine sind ebenfalls leicht angewinkelt, als würde man sich auf einen Stuhl setzen wollen, aber es dann doch nicht macht. Du kannst das gerne direkt mal ausprobieren und rausfinden, wie schnell dir deine Oberschenkel brennen. :-)
Hinzu kommt dass man immer in Bewegung ist. Du führst ständig kleine Schritte aus, mal schneller oder langsamer. Der Oberkörper bewegt sich dauerhaft mit, immer darauf gefasst, dass der Gegner gleich zu schlägt, man den Schlägen und Tritten ausweichen muss. Oder man ist gerade selbst in der Vorbereitung um gleich zuzuschlagen.
Jetzt nehmen wir mal an wir haben eine Lücke zum Gegner gefunden und setzen zu einem hohen Kick zum Kopf des Gegners an. Wir setzen gleich alles auf eine Karte! BÄM!

Aber was passiert da?

Das vordere Bein dreht sich leicht zur Seite raus, das gesamte Gewicht verlagert sich auf dieses. Die Hüfte geht leicht nach vorne, die Arme sind angewinkelt und angespannt, um sich selbst zu schützen. Der Oberkörper sinkt leicht ein - so ist auch der Torso vor einem möglichen Treffer gut geschützt. Das hintere Bein schießt schräg nach oben zum Kopf und ... rifft leider nur den Handschuh des Gegners ;-)

Was sehen wir nun darin?

Erstmal geht es hier um viel Körperspannung. Der Körper hat eine permanente Grundanspannung, die er halten muss. Dazu kommt der sehr komplexe Bewegungsablauf. Zudem darf einem auch nicht die Puste ausgehen. Wer schon einmal 3 x 3 Minuten gekämpft hat - selbst wenn es "nur" im Training war - weiß wovon ich spreche. Es kostet Ausdauer! Und zwar richtig!
Neben der Ausdauer ist die Maximalkraft auch nicht zu vernachlässigen. Man muss schnell, präzise und vor allem hart zuschlagen. Am besten noch ohne selbst umzufallen - also ist Balance ebenfalls ein wichter Aspekt im Kampfsport.

Zusammengefasst lernt und braucht man im Kampfsport folgende Skills

  • Ausdauer
  • Kraft
  • Balance
  • Agilität

Man muss also sehr viele Dinge zusammenbringen und kombinieren. Explosives Zuschlagen mit viel Energie und sich dabei selbst auf dem Boden halten. In Sekunden schnelle Situationen neu einschätzen und bisherige Ideen verwerfen oder verändern und stets seinen Kampfrhythmus an den Gegner anpassen. Du musst ausweichen, Schläge einstecken, etc. Hier werden viele bis alle Muskelgruppen ganz anders angesprochen und gefordert als im klassischen Training im Fitness-Studio. Solche Reize für die Muskulatur sind im Fitness Studio sehr selten bis gar nicht zu finden.

Gibt es Sportarten die mit Kampfsport zu vergleichen sind?

Ganz klar, nein. Kampfsport ist Kampfsport und bleibt auch eigenständig in seiner Art und Komplexität. Allerdings gibt es mittlerweile Sportarten die ähnlich arbeiten. Hervorzuheben sind hier CrossFit und das gerade sehr beliebte Freeletics. Beides hat sehr verwandte Komponenten. Gerade Balance, Agilität und Genauigkeit sind auch hier nötig. Bei Freeletics hat man als weiteren Gegner immer die Uhr, was ich als Kampfsportler natürlich sehr toll finde.

Ich will Kampfsport machen aber auch ergänzend mit Geräten arbeiten, geht das?

Klar, du kannst Kampfsport machen und zusätzlich zur Steigerung deiner Fähigkeiten etwas weiteres dazu nehmen. Falls du etwas ergänzendes zum Kampfsport suchst würde ich dir CrossFit oder Freeletics empfehlen.

CrossFit arbeitet mit unterschiedlichen Geräten wie z.B. Kettlebells, Traktorreifen, Vorschlaghämmern, etc. Und ich kann euch sagen, es macht einen heiden Spaß, mit einem Vorschlaghammer auf einen Reifen einzuschlagen, oder auch den Reifen eine bestimmte Strecke entlang immer wieder anzuheben und zu bewegen oder die Kettlebell zu schwingen oder Sprints mit Gewichten zu absolvieren.

Freeletics arbeitet zunächst rein mit dem eigenen Körpergewicht. Aber Übungen für Fortgeschrittene fordern auch die Balance heraus: Wer Pistol Squats aus dem stehgreif schafft hat auch kein Problem damit später einmal im Kampfsport einen bösen Kick raus zu hauen - vorausgesetzt die Technik stimmt! Abgesehen davon geht es bei Freeletics stets gegen die Zeit, genau das was dein Körper auch im Wettkampf braucht. Am besten ist neben dem Kampfsport 1-2 CrossFit Einheiten zu absolvieren und den Rest der Zeit zum Beispiel mit Freeletics-Workouts aufzufüllen.

Wer schon in einem Fitness Studio angemeldet ist kann auch dort sein Kampftraining unterstützen. Viele Studios bieten mittlerweile Kurse und Programme an in denen ihr richtig gefordert werdet. Da allerdings jedes Studio anders ist möchte ich hier auf die jeweiligen Coaches verweisen. Sagt was ihr als Kampfsportler braucht und erarbeitet gemeinsam mit dem Coach einen Trainingsplan.

Als Abnehmprogramm empfehle ich Kampfsport weniger. Man wird oft durch die Gruppendynamik schnell zu einer höhren Belastung verleitet als einem als Anfänger gut tut. Gerade wenn man lange keinen Sport gemacht hat kann das zum großen Problem werden: Die Verletzungsgefahr ist beim Kampfsport sehr groß. In Fitness Studios oder durch ehrliche Angaben bei Freeletics wird die Belastung langsam gesteigert und euer Fitnesslevel nach und nach aufgebaut.
Sobald ihr eine Grundfitness erreicht habt kann es dann in das Dojo eurer Wahl gehen!

Meine persönlichen Favoriten

Meine ganz persönlichen Favoriten im Kamfpsort sind: BJJ, Weng Chun Kung Fu und MMA.
Hier kann man es krachen lassen, lernt aber gerade im BJJ und Weng Chun nicht nur seinen Körper zu stählen sondern hat eine tolle Philosophie, welche einen auch mental weiter bringt und wachsen lässt. Erst wenn man eine eigene Philosophie und Haltung zum Kampfsport entwickelt hat empfehle ich euch ins MMA zu gehen. Es ist der Wahnsinn, wie spaßig es sein kann, die Kampfsport-Arten zu kombinieren, allerdings hat die Szene - auch nicht ganz zu unrecht - einen schlechten Ruf.

Passt auf wo ihr hingeht!
Grüße
Tobi

Person
Tobias Heinen
Rezepte-Tüftler, Kampfsportfan

Tobais lebt seit vielen Jahren vegan und setzt sich mit veganer Sporternährung auch im medizinischen und gesundheitlichen Kontext auseinander.


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